Ernsthofen Ortsbeirat

Ortsbeirat Ernsthofen

Lasst die Kirche im Dorf!

"Lasst die Kirche im Dorf! Keine halben Sachen auf dem Land!"
Unter diesem Motto protestiert der Kirchenvorstand Ernsthofen gegen die Pläne unseres Dekanats, die Pfarrstelle Ernsthofen zu 1.1.2020 zu halbieren.
Lesen Sie hier, warum und unterstützen Sie unseren Protest!

Lesen Sie daneben den Artikel im Darmstädter Echo vom 29. März 2017!

http://www.echo-online.de/lokales/darmstadt-dieburg/ober-ramstadt-modautal/protestanten-wehren-sich-gegen-halbierung-ihrer-pfarrstelle-in-ernsthofen_17782952.htm

Unterschreiben Sie für den Erhalt der vollen Pfarrstelle Ernsthofen!
Unterschriftlisten liegen an folgenden Orten im Kirchspiel aus:

Ernsthofen: Kirche, Gemeindehaus und Tante Emma-Laden

Herchenrode: Gasthaus von Stein

Asbach: Alte Schule und Sportheim

Klein-Bieberau/Webern: Dorfgemeinschaftshaus und Schützenhaus

Brandau: Rathaus

  


Der Protestbrief:

Pfarrstellenbemessung
Kirchspiel Ernsthofen

Sehr geehrter Dekan Allmann, sehr geehrter Präses Hauptmann,

sehr geehrte Mitglieder des DSV Darmstadt-Land,

 

Das Kirchspiel Ernsthofen im Modautal sieht sich derzeit mit der Reduzierung seiner Pfarrstelle konfrontiert. Auch wenn wir darauf letztlich keinen Einfluss nehmen können, möchten wir Ihnen dennoch unbedingt unsere Auffassung dazu zur Kenntnis geben und bitten Sie, diese zu lesen und zu bedenken.

Wir beginnen unsere Ausführung mit Auszügen aus dem aktuellen Bericht von Andreas Kahnt, Vorsitzender des Verbandes Evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer in Deutschland, den er am 26. September 2016 anlässlich der Mitgliederversammlung in Travemünde gehalten hat:

"Es muss nun auch dem Letzten klar sein, was evangelische Christinnen und Christen von ihrer Kirche erwarten, nämlich Ortsnähe und Pfarrerinnen und Pfarrer, die Zeit haben und nahe bei den Menschen sind. Das ist ein unüberhörbares Votum gegen die Verlagerung von Kirche auf die mittlere Ebene oder gar auf städtische Leuchtfeuer. Kirche soll da sein, wo die Menschen leben. Und nirgendwo sonst können Pfarrerinnen und Pfarrer den Themen und Bedürfnissen der Menschen näher sein und das Evangelium zeitgemäßer und situationsgemäßer verkündigen. Stellenstreichungen sind auch deshalb der falsche Weg, weil sie die Ortsgemeinden entmündigen.

Es ist ihre Ortsnähe, die sie in die Lage versetzt, auf aktuelle Herausforderungen angemessen und schnell zu reagieren. Pfarrerinnen und Pfarrer vor Ort haben stets alle Menschen im Blick, weil es um Gottes Willen kein Ansehen der Person gibt! Mit einem Abzug von Pfarrerinnen und Pfarrern aus der Fläche zugunsten von regionalen, eher städtischen Zentren kann Kirche nur verlieren, denn sie verliert die Nähe zu den Menschen und damit die Möglichkeit angemessener Verkündigung des Evangeliums in vielfältiger Form...

Statt Stellenstreichung bedarf es also der Stärkung der Ortsgemeinde...

Wichtig und notwendig ist in diesem Zusammenhang der Hinweis, dass Pfarrerinnen und Pfarrer es nie nur mit den eigenen Gemeindegliedern zu tun haben. Die Erwartungen an Kirche und Pfarrdienst werden weitgehend von allen Menschen vor Ort geteilt. Deshalb sind Gemeindegliederzahlen als Richtschnur für Bestand oder Nicht-Bestand einer Ortsgemeinde unzureichend. Das hat in eindrucksvoller Weise zuletzt die Herausforderung gezeigt, Schutzsuchende in Städten und Gemeinden willkommen zu heißen, sie unterzubringen und mit dem Nötigsten zu versorgen, Gemeindehäuser - zum Teil unter Zurückstellung des üblichen Programms – zu öffnen...

Welche Rolle in diesem Zusammenhang die Vereinbarungen in Dienstordnungen spielen, wird noch zu untersuchen sein. In den Gemeinden macht sich indes hier und da Resignation breit oder Menschen verlassen ihre Kirche, unterstützen zugleich aber tatkräftig ihre Gemeinde, in der sie sich zu Hause fühlen und deren Pfarrerin oder Pfarrer sie kennen und schätzen. Wohin auch immer die Reise geht: Es darf nicht dahin kommen, dass die Veränderungen, die der Berufstätigkeit von Pfarrerinnen und Pfarrern zugemutet werden - und die nicht von ihnen zu verantworten sind - , am Ende auf deren Rücken ausgetragen werden. Und es ist auch nicht Aufgabe von Pfarrerinnen und Pfarrern, ihre Gemeinden auf einen Veränderungskurs einzustimmen, den die Gemeinden nicht wollen.“

Bitte nehmen Sie über diese grundsätzlichen Gedanken hinaus, denen wir voll zustimmen können, nun zur Kenntnis, was Sie mit einer Reduktion der Pfarrstelle auf 50% unwiederbringlich zerschlagen werden:

Das Kirchspiel Ernsthofen ist trotz der Zusammensetzung aus fünf Ortschaften eine eingespielte Gemeinschaft, und das aufgrund mehrerer Fakten:

1. Alle fünf Orte haben ihren geistlichen Mittelpunkt in der evangelischen Schlosskirche Ernsthofen, die seit 2013 aufwändig restauriert wird dank großer Spendenbereitschaft aus der Bevölkerung (nicht nur der evangelischen Gemeindeglieder).

2. Die Kirchengemeinde ist von hoher Kontinuität bestimmt:

Pfarrer Oswald Sailer war 25 Jahre lang Pfarrer hier und Pfarrerin Heckmann-Fuchs ist bereits seit mehr als 15 Jahren vor Ort. Der Kirchenvorstand weist eine ebenso hohe Kontinuität auf.

Ralf Schwerer war mehr als 15 Jahre lang Vorsitzender.

Die Zahl der KV-Mitglieder ist seit Jahrzehnten bewusst erhöht. Bei den letzten KV-Wahlen hatten wir dennoch immer mehr Kandidatinnen und Kandidaten als notwendig und überhaupt jeweils die zweitbeste Wahlbeteiligung unseres Dekanats.

Mittlerweile unterstützen uns im Kirchenvorstand auch drei Ehrenkirchenvorsteher, die selbst 45, 30 und 24 Jahre lang gewähltes Mitglied unseres Gremiums waren.

Unsere Mitarbeiterschaft fühlt sich ganz offensichtlich im Kirchspiel zuhause.

Vier unserer nebenamtlichen Mitarbeiter haben 2015 ihr 15- bzw. 10- jähriges Dienstjubiläum gefeiert.

Im Zusammenhang mit der Visitation haben wir unsere Partnergemeinde, die Paulusgemeinde Darmstadt, gerade mit unserem Zusammenhalt, unserer inneren Verbundenheit und unserem großen Engagement bei kleinen finanziellen Grundlagen beeindruckt.

3. Ortsvereine und Kirchengemeinde sind in allen Ortschaften eng verzahnt, unabhängig von der konfessionellen Zugehörigkeit der Vereinsmitglieder.

Beispiel 1: Der nicht konfessionelle Kindergarten "Bieberzwerge Klein-Bieberau" beginnt sein Sommerfest jedes Jahr mit einem Familiengottesdienst, den er bewusst im Takt mit einem der Außengottesdienste in Klein-Bieberau feiert.

Beispiel 2: Die Landfrauen Asbach stellen ihre Chorleiterin jedes Jahr wochenlang frei, damit sie einen Gospel-Projektchor zum Weltgebetstag der Frauen leiten kann.

Beispiel 3: Der NABU Asbach feiert sein Sommerfest regelmäßig bewusst zu dem Termin, an dem ein Außengottesdienst in Asbach geplant ist, der dann am Vereinsheim, der Spatzenhütte, stattfindet.

Beispiel 4: Feuerwehr und Ortsbeirat auf der einen Seite, Pfarrerin und Posaunenchor auf der anderen Seite sind tragende Säulen des Volkstrauertags-Gedenkens in Klein-Bieberau.

Beispiel 5: Feuerwehr und Ortsbeirat Ernsthofen haben gerade gemeinsam mit der Pfarrerin ein neues Konzept für den Volkstrauertag entworfen und erprobt und die Kerb wieder ins Leben gerufen. Überhaupt wird in drei von fünf Orten regelmäßig die Kerb mit einem Festgottesdienst verbunden.

Beispiel 6: Der Odenwaldklub gestaltet seit mehr als einem Jahrzehnt gemeinsam mit der Kirchengemeinde den Pfingstmontag mit einem Wandergottesdienst.

Beispiel 7: Die ortsansässigen Musiker gestalten die Musikalischen Andachten in der Advents- und der Passionszeit und die Taize-Andachten ehrenamtlich mit. Umgekehrt sind unser Kinderchor und unser Posaunenchor auch bei nichtkirchlichen Festen präsent. Natürlich hängen diese hohe Kontinuität und diese unkomplizierte Kooperation nicht allein von der Person und Arbeitszeit der Pfarrer/in ab. Aber klar ist, dass diese Vielfalt, die bislang gemeinsam gelebt wurde, absehbar nicht mehr in die Maße einer halben Pfarrstelle unterzubringen sein wird.

Wir werden uns von vielen lieb gewonnenen und gut besuchten Traditionen verabschieden müssen. Wir werden funktionierende und geschätzte Kooperationen beenden müssen. Ob wir dann auf Dauer noch diese hohe Identifizierung mit der evangelischen Kirchengemeinde halten werden, ist mehr als ungewiss. Insofern sehen wir als Kirchenvorstand die Kürzung der Pfarrstelle als Zerschlagung einer intakten Gemeinschaft und rechnen damit, dass der Leitung unserer Kirche viel Unmut und Unverständnis entgegen gebracht werden wird, wenn dieser Beschluss publik wird.

 

Mit besorgten Grüßen

Der Kirchenvorstand des evangelischen Kirchspiels Ernsthofen

Gerd Quenzer, Vorsitzender

[Abdruck des Briefs mit ausdrücklicher Genehmigung der Pfarrerin

http://www.ernsthofen-evangelisch.de/home/aktuelles/ ]